Enrico Lübbe

Schauspieldirektor



Das Schauspielhaus


Zu Karl-Marx-Städter Zeiten war das Schauspielhaus eines der profiliertesten und fortschrittlichsten Häuser der DDR, nicht zuletzt unter seinem langjährigen Schauspieldirektor Hartwig Albiro. Frank Castorf inszenierte hier, Schauspieler wie Ulrich Mühe, Corinna Harfouch und Michael Gwisdek begannen hier ihre Laufbahn. Aber auch für prägende Theatermacher der nachfolgenden Generation wie Hasko Weber, Michael Thalheimer, Armin Petras oder Olaf Altmann und Schauspieler wie Peter Kurth und Peter Moltzen war das Haus ein wichtiger Start- und Entwicklungspunkt.

 

Enrico Lübbe amtiert - nach Manuel Soubeyrand, Herbert Olschok und Katja Paryla - seit der Spielzeit 2008/2009 als Schauspieldirektor, verbunden mit einer konzeptionellen Neuausrichtung des Hauses: Die Große Bühne im Schauspielhaus stellt das Literatur- und Schauspielertheater in den Vordergrund und präsentiert namhafte Texte der Weltdramatik von der Antike bis zur klassischen Moderne. Der Spielplan spannt sich dabei von Autoren wie Sophokles, Shakespeare, Lessing und Büchner bis hin zu Tschechow und García Lorca. Basis des Spielplans ist dabei, die Spielzeit unter ein Motto zu stellen, das jeweils einem Stücktitel entnommen wird.

Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt zur Repertoireergänzung sind "Chemnitzer Erstaufführungen" - bedeutende Stücke, die zuvor in Chemnitz noch nicht zu sehen waren, wie z. B. "Endstation Sehnsucht" von Tennessee Williams, das Lübbes erster Spielzeit das Motto gab. Es folgten Jean-Paul Sartres "Die schmutzigen Hände" oder Horváths "Glaube Liebe Hoffnung", das das Motto für die Spielzeit 2009/2010 absteckte.
Die Spielzeit 2010/2011 trug das Motto "Wolken.Heim" – das gleichnamige Stück der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek war ab Oktober 2010 in Chemnitzer Erstaufführung zu sehen. Das Motto der Spielzeit 2011/2012 lautet "Das kalte Herz"; Gerhild Steinbuchs Stück nach dem Märchen von Wilhelm Hauff kommt im November 2011 in Chemnitz zur Uraufführung.

Der Ostflügel des Schauspielhauses, der ab Oktober 2011 die bisherige Kleine Bühne als Spielstätte ablöst, stellt Ur- und Erstaufführungen in den Fokus ihrer Arbeit - zeitgenössische Theaterformen und neue Ästhetiken, junge Autoren und junge Regiehandschriften. Dabei wird regelmäßig der Kontakt mit Wettbewerben gesucht, wie etwa dem Kleist-Förderpreis (2008 Anne Rabes "Achtzehn Einhundertneun - Lichtenhagen") oder dem Retzhofer Literaturpreis (2010 Henriette Dushes "Menschen bei der Arbeit", 2011 Susanna Mewes "Die Handgriffe der Evakuierung"), ebenso aber die direkte Zusammenarbeit mit Autoren: Stückaufträge des Schauspielhauses gingen bisher an Ulrike Syha, Oliver Kluck, Anne Habermehl und Iwan Wyrypajew. Ein großer Erfolg dieser Programmatik war die Einladung des Auftragswerkes "Privatleben" von Ulrike Syha zu den Mühlheimer Theatertagen 2009.

Das "Junge Schauspiel" ist ein weiterer Schwerpunkt, der mit Enrico Lübbes Antritt gesetzt wurde: Es richtet sich gezielt an Kinder und Jugendliche - mit speziellen Produktionen im Haus, aber auch mit mobilen Produktionen, die als Klassenzimmerstücke erarbeitet werden. Der neugegründete Theaterjugendclub "Die KarateMilchTiger" unter der Leitung von Yves Hinrichs wurde inzwischen mehrfach ausgezeichnet: "Revolution Reloaded" 2009/2010 war zum Festival "Schüler spielen Sturm und Drang" in Ludwigsburg eingeladen und wurde von ZDF/3sat aufgezeichnet; es folgte die Einladung zum Theatertreffen der Jugend 2010 in Berlin.

Mit "Don't Cry For Me, Baby!" war der Theaterjugendclub 2011 zum zweiten Mal in Folge zum Theatertreffen der Jugend in Berlin eingeladen und zusätzlich zum Bundestreffen der Theaterjugendclubs 2011 in Lübeck.

 

Auch die großen Fachzeitschriften würdigten die Arbeit am Chemnitzer Schauspiel: die Spielzeit 2009/2010 erhielt in "Theater heute" eine Nominierung in der Kategorie "Beste Gesamtleistung eines Theaters" und in "Die deutsche Bühne" eine Nennung als bestes "Theater abseits der Zentren".


Das Angebot im Schauspielhaus wird abgerundet von der Reihe "NACHTSCHICHT": am Abend und nach den Vorstellungen zeigt die "NACHTSCHICHT" das Ensemble und Gäste in vielfältigen Veranstaltungen und Programmen, die das Haus mit der Stadt und ihrer (Kunst-)Szene kurzschließen. So ist z. B. seit 2008 das Bandfestival "chemnitz rocken!" ein fester Bestandteil des Schauspielhauses, ebenso wie die Literaturshow "turboprop" oder "club royal", die Hausshow in der Theaterkneipe Exil.