von Witold Gombrowicz. Deutsch von Olaf Kühl
Premiere: 03.02.2012
Niemand hätte gedacht, dass aus Yvonne eines Tages die Burgunderprinzessin werden würde. Niemand hätte gedacht, dass überhaupt etwas aus ihr werden würde. Sie selbst vielleicht auch nicht. Aber was Yvonne denkt, weiß man nicht. Denn sie spricht nicht. Und das ist nicht ihre einzige Auffälligkeit. Sie ist – eine lebende Provokation. Und sie wird – Prinzessin von Burgund.
So beschließt es aus Jux Prinz Philip, als er sie beim Sonntagsspaziergang in seinem kleinen Reich entdeckt – zum Schrecken nicht nur seiner Eltern. Aber wie man Yvonne bei Hofe auch begegnet und wie man sie auch zu vergraulen versucht, alles – Höflichkeit, Gehässigkeit und Einschüchterung – prallt an ihr ab. Und was keiner vermutet: Sie hat ein Herz, wenn auch ein kaltes, aber es beginnt zu schlagen für den Prinzen. Yvonne ist verliebt – und versetzt den Hof in Panik. Yvonne wird zur ungekrönten Prinzessin der Schmerzen; sie wird immer mehr zum Kompass, an dem sich alles ausrichtet. Das Hochzeitsbankett wird für den Hof die letzte Chance, sie doch noch loszuwerden ...
„Yvonne, Prinzessin von Burgund“ ist eine geniale Groteske darüber, wie dünn der Lack der Zivilisation sein kann – und wie schmal der Grat zwischen Normalität und Wahnsinn. Yvonne ist ein Problem – aber eigentlich das Problem der anderen. Yvonne sagt selbst fast nichts, aber sie bringt ihre Umwelt umso mehr zum Sprechen. Und was dabei zu Tage kommt, führt immer näher an den Abgrund. Ein Stück über den schönen Schein, der ganz allmählich hässliche Schatten wirft.
1939 unternahm Witold Gombrowicz, geboren 1904 in Polen, eine Reise nach Argentinien – und kehrte nie mehr in seine Heimat zurück. 24 Jahre lebte er als Bankangestellter in Buenos Aires und starb schließlich 1969 in Frankreich. Sein Werk verbindet Elemente des Surrealen, des Existentialismus und des absurden Theaters. Mit „Yvonne, Prinzessin von Burgund“ schuf er 1935 ein surreales Psychogramm, das von wortreicher Farce bis zum stummfilmhaften Slapstick viele Genres streift – Jarrys „König Ubu“ scheint ebenso Pate zu stehen wie auch schon Sartres berühmter Gedanke „Die Hölle, das sind die anderen“.
Für die Chemnitzer Erstaufführung dieses Stücks arbeitet mit Mateja Koležnik eine der Protagonistinnen der slowenischen Theaterszene erstmals in Deutschland. Sie inszeniert an allen großen Theatern des ehemaligen Jugoslawiens, u. a. an den Nationaltheatern in Ljubljana, Maribor und Nova Gorica, am BITEF Belgrad sowie am Stadttheater der Chemnitzer Partnerstadt Ljubljana. Ihre Regiearbeiten gewannen mehrfach Preise, u. a. die höchste slowenische Auszeichnung für Theater. Für die Inszenierung der „Yvonne“ hat sich Mateja Koležnik ein hochkarätiges Regieteam zusammengestellt:
Bühnenbildner Henrik Ahr, mit dem sie regelmäßig zusammenarbeitet, ist seit Herbst 2010 Professor für Bühnenbild am Salzburger Mozarteum und ist am Chemnitzer Schauspiel kein Unbekannter – er entwarf hier bereits die Bühnen für Enrico Lübbes Inszenierungen von „Glaube Liebe Hoffnung“ und „Woyzeck“.
Kostümbildner Alan Hranitelj arbeitet erstmals am Schauspielhaus – er zählt zu den führenden Persönlichkeiten der slowenischen Kunstszene; Höhepunkt seiner bisherigen internationalen Laufbahn war im Herbst 2011das Kostümdesign für den „Cirque du Soleil“ bei der Show „Zarkana“.
Matija Ferlin, der die Bewegungschoreographie erarbeitet hat, erhielt 2010 für seine Performance NASTUP (Onformance) den höchsten kroatischen Theaterpreis für die beste Choreographie. Das „V Magazine“ New York zählte ihn zu den vielversprechendsten jungen Choreographen 2011.
Coco Mosquito gründete die Band „Jinx“, eine der bedeutendsten und erfolgreichsten Popgruppen des ehemaligen Jugoslawien, und arbeitet nun als Produzent; immer wieder aber erarbeitet er auch Musiken für das Theater, so z.B. für Inszenierungen mit Mateja Koležnik.
Dauer: 1 Stunde und 30 Minuten / keine Pause
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Interview mit der Regisseurin.
Pressestimmen zu dieser Inszenierung.